Hedgefonds Strategien: Hintergründe und Basis Know-How

Die Regulierungen für Hedegfonds sind sehr kulant. Diese geringe Überwachung erlaubt es Fondsmanagern, in vielen Bereichen kreativ zu werden. Dies trägt ein enormes Potenzial in sich. Allerdings bringt eine Erhöhung der Gewinnchancen gleichzeitig auch eine Erhöhung des Verlustrisikos. Mit der passenden Strategie können Anleger die Fonds überwachen und das Risiko an den richtigen Stellen mindern.

Was ist ein Hedgefonds?

Bei den Hedgefonds handelt es sich um kaum oder gar nicht regulierte Investmentfonds. Das Fondsmanagement ist in der Regel aktiv; dies bedeutet, dass sich die Fonds in Form von Ankäufen und Verkäufen immer in Bewegung befinden. Abhängig vom Management, kommen vielzählige Anlageinstrumente zum Einsatz, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Besonders häufig sind es dabei Leerverkäufe und Derivate, die hier verwendet werden. Die Derivate kommen als Absicherungstool zum Einsatz.

Es ist auch keine Seltenheit, dass Fremdkapital für die Fonds verwendet wird. Privatanleger können erst seit dem Jahr 2004 in Deutschland mit den Hedgefonds arbeiten. Allerdings gelten seit 2013 erneute Einschränkungen: Lediglich professionelle und semi-professionelle Spekulanten sind in der Lage, ausländische Hedgefonds zu kaufen. Ein Grund dafür ist das hohe Verlustpotenzial der Fonds. Anleger mit wenig Erfahrung lassen sich schnell dazu hinreißen, Geschäfte zu tätigen, die im schlimmsten Fall den finanziellen Ruin bedeuten.

Video: Hedgefondsmanager Langerman: Wir kaufen günstige Aktien, wie….

Hedgefonds: Strategien verstehen!

Hedge-Fonds werden nicht nach einer strikten Strategie verwaltet. Es handelt sich immer um einen für den Fonds individuellen Ansatz. Die geringe Regulierung lässt den Fondsmanagern eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten offen. Dies bedeutet, dass es schwer ist, einen Hedgefonds klar zu kategorisieren. Selbst Wirtschaftswissenschaftler tun sich damit schwer.

Es ist jedoch möglich, die Grundstrategie in drei Kategorien zu unterteilen:

  • Ereignisgetriebene Strategien
  • Marktneutrale Strategien
  • Opportunistische Strategien

Was ist eine ereignisgetriebene Strategie?

Die ereignisgetriebene Strategie arbeitet auf der Grundlage, das Eintreten von bestimmten Ereignissen zu erwarten. Es kann sich um eine Reihe von Ereignissen handeln wie zum Beispiel die Übernahme einer Firma oder die Abspaltung einer Firmentochter. In einer solchen Strategie kommen Distresses Securities und Risk Arbitrage Aktien zum Einsatz.

Risk Arbitrage

Fasst eine Reihe von verschiedenen Unternehmensereignissen zusammen.

Distressed Securities

Das Unternehmen befindet sich in einer Notsituation. Das zu erwartende Ereignis ist recht spezifisch, wie zum Beispiel Insolvenz.
Befindet sich ein Unternehmen in einer akuten Notsituation, führt dies in der Regel zu einer hohen Unsicherheit unter Anlegern. Eine hohe Anzahl von willigen Verkäufern stehen schnell einer geringen Anzahl von Käufern gegenüber, und der Aktienpreis sinkt.

Ein guter Fondsmanager ist darauf geschult zu erkennen, ob die aktuelle Notlage nur zeitweise ein echtes Problem darstellen wird. Der Kurs der Aktien sollte sich somit erholen und eine gute Rendite beim Verkauf erzielen. (#01

Ein guter Fondsmanager ist darauf geschult zu erkennen, ob die aktuelle Notlage nur zeitweise ein echtes Problem darstellen wird. Der Kurs der Aktien sollte sich somit erholen und eine gute Rendite beim Verkauf erzielen. (#01)

Die Risk Arbitrage-Strategie lässt sich in weitere Unterkategorien aufteilen. Zum einen kommt hier die Merger Arbitrage zum Tragen, die sich auf die Kursbewegungen während einer möglichen Firmenübernahme bezieht. Zum anderen gibt es eine Strategie, die auf Other Special Situations setzt, diese können sich auf den gesamten Operationszyklus einer Firma beziehen.

Was ist eine marktneutrale Strategie?

Eine weitere Möglichkeit, die Hedgefonds-Strategie zu benennen, findet sich in den marktneutralen Strategien. In einigen Bereichen sind sie auch als „Relative Value“ bekannt. In diesem Bereich wird mit Produkten gearbeitet, die sich im Grunde ähneln, die aber nicht auf dem gleichen finanziellen Niveau liegen. Im besten Fall sind steigende Anlagen in der Lage, zeitgleiche Ausfälle mit einem leichten Überschuss abzudecken. In der Summe arbeiten die Fonds im Bestfall also mit einer positiven Rendite. Der Vorteil besteht darin, dass diese Strategie nicht marktabhängig ist. Denn die Strategie ist im Ganzen darauf ausgelegt, eine positive Rendite zwischen den Finanzprodukten zu erreichen.

Bekannt sind die Strategien „Fixed Income Arbitrage“, „Convertible Arbitrage“ und „Equity Market Neutral-Strategy“.
Die Fixed Income Arbitrage ist auf Anleihen ausgelegt, die Convertible Arbitrage legt den Fokus auf die sogenannten Wandelanleihen. Mit der Equity Market Neutral-Strategie ist der Blick ausschließlich auf den Aktienmarkt beschränkt.

Fixed Income Arbitrage

Die global als Fixed Income Arbitrage bekannte Strategie wird in Deutschland häufig auch als Obligationen Arbitrage bezeichnet. Hier werden subjektive Fehlbewertungen ermittelt, die für festverzinste Wertpapiere getroffen wurden. Diese Fehlbewertungen werden durch die Auswertung von Zinskurven und Volatilitätsverläufen identifiziert. Sobald sie erfasst sind, besteht die Hoffnung darin, dass es in naher Zukunft zu einer Behebung dieser Fehlbewertungen kommt.

Die Strategie legt den Fokus stets auf einen ganz bestimmten Bereich, wie zum Beispiel den Zinssatz oder die Laufzeit der festverzinslichen Wertpapiere. Ein Ansatz den auch eine Vielzahl von Hedgefonds-Strategien verfolgt.

Convertible Arbitrage

Ebenfalls ein globaler Begriff ist derjenige der Convertible Arbitrage Strategie der im deutschen Sprachgebrauch auch als Wanderanleihen-Arbitrage bekannt ist. Eine unterbewertete Wanderanleihe wird hier aufgekauft, und die passende Aktie wird leerverkauft. Kommt es zu einem Kursanstieg der Aktien, übersteigt der Gewinn der Aktie den Verlust der Wanderanleihe. Im Fall eines Kurseinbruchs wird der Verlust gleichzeitig gering gehalten. Der Gewinn der Wanderanleihe gleicht den Aktienverlust im besten Fall sogar aus.

Equity Market Neutral

Hier spricht man außerhalb des globalen Marktes von einer marktneutralen Aktien-Strategie. Die Grundlagen haben wir bereits zu Beginn erläutert. Für die korrekte Identifizierung von passenden Finanzprodukten kommen verschiedenen Instrumente zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem tiefgehende Datenanalysen, aber auch die Anwendung von statistischen Modellen.

Video: Was sind Hedgefonds? Einfach erklärt! | Finanzlexikon

Was ist eine opportunistische Strategie?

Zu guter Letzt ist die opportunistische Strategie eine häufig gewählte Form für die Hedgefonds. Diese Hedgefonds-Strategie passt das Portfolio an die Bewegung der globalen Kapitalmärkte an. Um dies im vollen Umfang umsetzen zu können, stehen spezifische Unterstrategien zur Auswahl bereit.

Die folgenden sind dabei die klassischen Varianten, die von Fondsmanagern weltweit verwendet werden:

  • Global Macro
  • Dedicated Short Bias
  • Long/Short Equity
  • Emerging Markets

Hedgefonds-Strategien, die auf Global Macro setzen, verwenden den Top-Down-Ansatz. Dieser bezieht globale Preisänderungen in diversen Anlageklassen mit ein. Die Hedgefonds die auf die Long/Short Equity-Strategie setzen, werden nach dem Bottom-up-Ansatz verwaltet. Hier geht es darum, spezifische Investitionen zu finden, die besonders lukrativ erscheinen.

Emerging-Market-Hedgefonds konzentrieren sich mit den Investitionen auf junge Ökonomien im Wachstum. Die Dedicated Short Bias Strategie ist wiederum darauf ausgelegt, Leerverkäufe umzusetzen. Im Vergleich zu den ereignisgetriebenen und den marktneutralen Strategien, sind die opportunistischen Strategien immer darauf ausgelegt, bestimmte Bewegungen am Markt auszunutzen.

Sind die Spekulationen richtig platziert, sind die Fondsmanager in der Lage, günstige Aktien unmittelbar vor einer Preisspitze zu erwerben.(#02)

Sind die Spekulationen richtig platziert, sind die Fondsmanager in der Lage, günstige Aktien unmittelbar vor einer Preisspitze zu erwerben.(#02)

Global Macro Strategie

Diese Hedgefonds-Strategie arbeitet mit fundamentalen Änderungen innerhalb diverser Anlageklassen. Diese Änderungen bringen einen Preiswechsel für Aktien mit sich. Sind die Spekulationen richtig platziert, sind die Fondsmanager in der Lage, günstige Aktien unmittelbar vor einer Preisspitze zu erwerben.

Der verwendete Top-Down-Ansatz funktioniert wie folgt: Der Fondsmanager betrachtet den Trend der gesamten Anlageklasse und nicht in einzelnen Bereichen. Entsprechend werden auch die Aktienkäufe auf die Gesamtentwicklung der Anlageklasse ausgelegt. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die für die Entscheidung eine Rolle spielen können.

  • Wie sieht die aktuelle Wirtschaftslage aus?
  • Mit welchen Entwicklungen ist in diesem Bereich zu rechnen?
  • Steht ein politischer Konflikt bevor?
  • Werden entsprechende Trends frühzeitig erkannt, ist der Fondsmanager in der Lage, diese Informationen in gewinnbringende Aktienanlagen umzuwandeln

Dedicated Short Bias Strategie

Eine weitere Strategie aus dem Bereich der opportunistischen Hedgefonds-Strategien ist das sogenannte Dedicated Short Bias. Der Manager bewertet einzelne Aktien: Kommt er zu dem Entschluss, dass die Aktien überbewertet sind, folgt ein Leerverkauf. Teil der Strategie ist es auch, Aktien zu entleihen diese dann zu verkaufen. So kommt es erst dann zu einem finanziellen Vorteil, wenn die gleichen Aktien zu einem späteren Zeitpunkt günstiger rückgekauft werden.

Ein Leerverkauf von Aktien besteht aus vier Teilen. Zwei dieser Teile verlegen sich auf den Abbau der Aktie und zwei auf den Aufbau. Wird die Position für den Leerverkauf aufgebaut, leiht sich der Verkäufer (Short Seller) die Aktie lediglich aus. Dafür arbeitet er mit einem Wertpapierverleiher zusammen, der eine Gebühr dafür nimmt. Die Gebühr allein ist aber nicht ausreichend. Das Leihen von Wertpapieren wird mit Sicherheiten versehen. Diese Aktien werden nach dem Leihen auf dem offenen Markt veräußert. Fällt der Kurs, werden die Aktien zu einem geringen Preis zurückgekauft und an den Verleiher zurückgegeben.

Emerging Markets Strategie

Setzt ein Fondsmanagement auf Investitionen in Schwellenländern, werden diese als Emerging Markets Hedgefonds eingestuft. Die Idee dahinter ist recht einfach: In der Hoffnung, dass die wirtschaftliche Situation sich deutlich bessern wird, investieren die Fonds in Unternehmen aller Art. Eine gestärkte Wirtschaftslage hat immer einen stabilen Aktienkurs zur Folge. Hier ist aber nicht eindeutig abzusehen, wann und in welchem Umfang eine tatsächliche Besserung zu erwarten ist. Auch die Wahl der Unternehmen kann sich als schwierig erweisen ̶ vor allem in Bereichen, die nur eine geringe Börsenausprägung aufweisen.

Video: Hedgefonds, Leerverkäufe und feindliche Übernahmen einfach erklärt (explainity® Erklärvideos)

Long/Short Equity Strategie

Hier wird darauf gesetzt, Aktienbewertungen zu analysieren und Fehlbewertungen zum eigenen Vorteil zu nutzen. So werden überbewertete Aktien im Leerverkauf gehandelt und unterbewertetet Aktien aufgekauft.

Fazit – eine Strategie für jeden Geschmack

Bei der Wahl des passenden Hedge-Fonds ist es wichtig, die richtige Strategie zu kennen. Dabei geht es hier selten darum, ob die Strategie richtig oder falsch ist, sondern, ob man als Anleger eine Erfolgschance in der Vorgehensweise sieht.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Photo By ToRz – #01: Farizun Amrod Saad – #02: pattarawat

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply