Heinz Neumann: Das ökologisch-ökonomische Konzept

19.05.2000 | Wien
Der Entwurf für den Neubau der Konzernzentrale orientiert sich an den Ansprüchen der Auslobung und an den Ansprüchen ökologisch-ökonomisch richtigen Bauens. Die Nutzung der natürlichen Ressourcen des Außenraumes ist erklärtes Ziel

Der Hochhauskörper wird über eine zweischalige Fassade natürlich be- und entlüftet, wobei die äußere Glashaut mit schlitzförmigen Öffnungen zur Reduzierung der Schalleistungspegel sowie Reduzierung des Winddruckes dient. Die hinterlüftete, äußere Fassade nimmt auch den Außensonnenschutz auf, der zu einer massiven Reduzierung der Kühllasten beiträgt.

Im Winter dient die doppelschalige Fassade als solarer Wärmepuffer, d. h. die zugestrahlte Wärmeenergie beheizt in passiver Form die dahinter liegenden Räume.

Infolge der großflächigen Verglasung ist ein optimaler Tageslichteinfall gegeben. Die Außenjalousie erhält hierzu eine Wende-Winkel-Steuerung, die bei Beschattung ein Maximum an Tageslicht in den Raum eintreten läßt. Ergänzt wird das System durch einen inneren Blendschutz zur Anpassung der gewünschten Leuchtdichte für die PC-Arbeitsplätze.

Die Nutzung von Regenwasser und Erdwärme (Untiefe Geothermie) steht nicht im Vordergrund, wobei sich hier jedoch in Abhängigkeit von der Fundierung zusätzliche Lösungsansätze anbieten.

Gebäudetechnik

Der Einsatz gebäudetechnischer Einlagen wurde soweit als möglich minimiert zugunsten des natürlichen Betreibens des Gebäudes. So ist vorgesehen, das gesamte Gebäude so lange als möglich natürlich zu belüften (Außentemperaturbereich + 5° C bis + 22° C) und lediglich im Winter bzw. im Sommer oder bei sehr hohen Windrücken das Gebäude mechanisch zu be- und entlüften, um zu große Wärmeverluste bzw. Wärmegewinne zu vermeiden.

Winterbetrieb

Im Winter wird dem Gebäude Außenluft mechanisch zugeführt, die als Quelluft mit + 20° C (konstant) in die Räume eintritt. Infolge der sehr günstigen (geringen) K-Zahlen sind minimale Wärmeverluste zu erwarten, die im wesentlichen durch innere Wärmelasten (Personen, Beleuchtung, Geräte) gedeckt werden. Ein Gebläsekonvektor im Fensterbereich übernimmt die partielle, einzelraumgeregelte Beheizung so keine inneren oder nur geringe innere Wärmelasten anfallen. Die Raumtemperaturregelung erfolgt somit im Winter über ein Vierleitersystem, raumweise - die mechanische Belüftung mit einer Zulufttemperatur von konstant + 20° C sorgt für den notwendigen Außenlufteintrag und somit die hygienische Behaglichkeit.

In der Übergangszeit werden die mechanischen Belüftungsanlagen abgeschaltet (ca. 65 - 70 % aller Tage) und eine ausschließlich natürliche Belüftung sorgt für angenehme Raumzustände mit Unterstützung des Heiz-Gebläsekonvektors bei zu geringen Außentemperaturen.

Sommerbetrieb

Im Sommerbetrieb kompensiert eine aktive Bauteilkühlung einen Teil der auftretenden Kühllasten (ca. 30 W/m²). Diese aktive Bauteilkühlung wird auch während der Nacht über eine freie Kühlung (Kühlung per Rückkühlwerk) versorgt, um das Gebäude speicherfähiger zu machen. Eine ergänzende Kühlung erfolgt wiederum über die Gebläsekonvektoren, denen Kühlwasser von + 18° C zugeführt wird. Bei Außentemperaturen über + 22° C wird dem Gebäude über die zentralen Lüftungsanlagen gekühlte und entfeuchtete Außenluft zugeführt, um wiederum den notwendigen hygienischen Lufthaushalt zu erreichen.

Zu allen Jahreszeiten ist es grundsätzlich jedem Raumnutzer möglich, sein Fenster zu öffnen und sich somit individuell den Raumzustand einzustellen, den er wünscht.

Wärmeversorgung

Zur Versorgung des Gebäudes mit Wärme dient der Fernwärmeanschluss (Heißwasser). Dieses wird auf die notwendigen Temperaturen heruntertransformiert, sodaß die Warmwasserversorgung, Versorgung von Lufterhitzern sowie Konvektoren und Heizkörpern bei unterschiedlichsten Temperaturenniveaus möglich ist. Die Heizzentrale befindet sich im Bereich 1. UG und ist in den Plänen ausgewiesen.

Kälteversorgung

Zur Versorgung des Gebäudes mit Kühlenergie sind zwei Absorbtionskältemaschinen sowie eine Kleinkälte-Kompressormaschine vorgesehen, die im Verbund mit freier Kühlung arbeiten.

Während des Tages erfolgt die Kaltwasser- und Kühlwasseraufbereitung in der Kältezentrale, während der Nacht ausschließlich über Rückkühlwerke.

Infolge der optimalen Maßnahmen hinsichtlich des sommerlichen Wärmeschutzes (Außenjalousien, Wärmeschutzisoliervergla-sung, Speicherfähigkeit der Gebäudestrukturen) ist mit einer maximalen Kühllast von ca. 70 W/m² zu rechnen. Diese werden zu 30 W/m² über die aktive Bauteilkühlung, zu 20 W/m² über die mechanische Belüftung und Kühlung und zu ca. 20 - 30 W/m² über die Gebläsekonvektoren abgedeckt.

Die Kältezentrale mit den Absorbtionskältemaschinen und elektrischer Kältemaschine befindet sich im Bereich 1. UG, Rückkühlwerke im Dachgeschoß.

Elektroversorgung

Die elektrische Energieversorgung erfolgt aus dem öffentlichen Netz auf Mittelspannungsebene. Über eine Mittelspannungsschaltanlage und nachgeschaltete Transformatoren (ca. 1200 kW) wird das Gebäude mit elektrischer Energie versorgt. Eine Niederspannungshauptverteilung mit nachgeschalteten Elektroverteilerräumen in den einzelnen Geschossen sorgt für die Gesamtstromversorgung. Eine Netzersatzanlage von ca. 300 kVA mit zugehöriger Batterie- und USV-Anlage dient dazu, das gesamte EDV-Netz zu sichern sowie im Notfall notstromberechtigte Verbraucher mit elektrischer Energie zu versorgen. Die notwendigen Elektroräume sind im Bereich 1. UG untergebracht.

Raumlufttechnische Anlagen

Für die einzelnen Nutzungsbereiche sind verschiedene raumlufttechnische Anlagen vorgesehen, die im Bereich 2./3. UG zur Aufstellung kommen sollen. Die notwendige Außenluft wird über Außenluftkanäle, die in der Deckenkonstruktionsebene des Konferenzbereiches liegen, den raumlufttechnischen Anlagen zugeführt, Fortluftströme ohne Geruchsstoffe werden im gleichen Bereich wieder ausgeblasen bzw. versorgen die Garagenflächen im Bereich 1. - 3. UG mit Luft, wobei die Abluftströme dieser Bereiche über Dach ausgeblasen werden.

Installationsführung

Die gesamten Installationsführungen, insbesondere Kommunikationsverkabelungen für mehrere Generationen sind prinzipiell im Schnitt und in einem Grundriß dargestellt, wobei ein 15 cm hoher Doppelboden die notwendige Flexibilität und Reversibilität mit sich bringt.

Beleuchtung

Zur Beleuchtung der allgemeinen Bürobereiche sind hoch ausgeblendete, abgeblendete Leuchten mit Direkt- und Indirektanteil bei einer mittleren Beleuchtungsstärke von ca. 500 -750 lux vorgesehen. Alternativ denkbar sind Ständeleuchten mit Direkt- und Indirektanteil, die arbeitsplatzbezogen für eine zonale Beleuchtung sorgen.

Quelle: Pressemeldung UNIQA Versicherungen AG

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