Exklusiv aus auto motor und sport 21/2008
Der US-Autobauer Chrysler, an dem der Daimler-Konzern noch mit 19,9 Prozent beteiligt ist, will seinen Absatz bewusst herunter fahren, um sich finanziell zu sanieren. Chrysler-Co-Präsident und Vertriebschef Jim Press kündigte im Interview mit auto motor und sport an, dass sich der Absatz in diesem Jahr von 2,7 auf rund 1,8 Millionen Fahrzeuge reduzieren wird und langfristig bei 2,5 Millionen einpendeln soll. "Wir wollen die beste kleine Automobilfirma der Welt werden", sagte Press dem Magazin. "Wir liegen per August schon 30 Prozent unter dem Vorjahresabsatz. Und das ist sehr positiv. Denn die alte Regel, dass Absatz ein Indikator für die Gesundheit eines Unternehmens ist, gilt nicht mehr. Von der Struktur her sind wir darauf ausgelegt, vier Millionen Fahrzeuge im Jahr zu verkaufen. Das verursacht hohe Zusatzkosten pro tatsächlich verkauftem Auto." Deshalb verzichte Chrysler fortan auf unprofitable Geschäfte. "Wir haben vergangenes Jahr 30 Prozent unseres Absatzes über Flotten- und Vermiet-Geschäfte realisiert und damit nicht einmal Gewinn eingefahren, sondern Verluste." Deshalb nehme Chrysler in diesem Jahr "ganz geplant ein Drittel unseres Absatzvolumens aus dem Markt. Wir behalten also nur den guten Profit - und entledigen uns des schlechten Absatzes, um uns finanziell zu stabilisieren", so Press.
Chrysler werde einige Jahre für die Sanierung brauchen. "2009 wird sicher noch ein hartes Jahr für uns, aber ab 2010 greifen unsere Produkt-Renaissance, unsere Fortschritte im globalen Vertriebsnetzwerk, unsere Kostensenkungsmaßnahmen. Cerberus hat einen langen Atem. Wir wissen, dass dies kein schneller Turnaround von einem halben Jahr wird." Die Gefahr einer Insolvenz sieht Press nicht: "Nein, wir haben 11,7 Milliarden Dollar an Cash und Sicherheiten. Und unsere internationalen Märkte bescheren uns Gewinne." Ob Chrysler 2010 - so wie es Wettbewerber Ford plant - wieder Gewinne schreiben wird, wollte Press nicht voraussagen: "Für uns ist es zu früh, heute eine Aussage darüber zu treffen. Wir machen noch keinen Gewinn, aber wir verbrennen weniger Cash. Unsere Profitsituation hat sich seit unserem Einstieg sogar verbessert. In den ersten sechs Monaten haben alle unsere finanziellen Ziele erreicht und einen positiven Cashflow von 1,1 Milliarden Dollar erzielt."
Um Kosten einzusparen, werde Chrysler seine Modellpalette weiter verkleinern. "Ja, wir müssen unser Portfolio verschlanken. Um ein Unternehmen mit 2,5 Millionen Einheiten im Jahr zu sein, brauchen Sie nicht das heutige Modellportfolio." Chrysler wolle sich künftig "auf die wichtigen Segmente konzentrieren und diese mit der richtigen Qualität bedenken, statt unser Budget unnötig zu zerstreuen". Trotzdem will Chrysler auch investieren: "Wir investieren dieses Jahr drei Milliarden in neue Produkte, die unsere Situation substanziell verbessern werden und planen, dies auch in den nächsten Jahren zu tun. Dazu setzen wir 500 Millionen Dollar ein, um die Qualität bereits bestehender Modelle zu verbessern." Zurückgewiesen hat Press Gerüchte, wonach sich Chrysler teure Technik von Mercedes nicht leisten könne. "Wir haben Zugriff auf die gesamte Advanced Technology von Mercedes. Ein gutes Beispiel sind Diesel-Motoren. Wir nutzen schon heute den 3.0 Diesel von Mercedes für unseren Jeep Grand Cherokee und Chrysler 300 C. Und wir haben Pläne, dieses Geschäft weiter auszubauen und weitere Diesel-Aggregate von Mercedes bei uns zu integrieren. Mercedes wird unser Schlüssel-Partner im Diesel-Segment", so Press. Derzeit bezieht Chrysler auch Diesel-Aggregate von VM Motori und Volkswagen. Auch bei der Hybrid-Technik werde Chrysler von Mercedes-Entwicklungen profitieren. "Wir partizipieren an der Forschung an Hybrid-Motoren und Brennstoffzellen."
Die Dodge-Viper Sparte steht nach wie vor zum Verkauf. Dagegen dementierte Press Gerüchte, dass der Finanzinvestor Cerberus den Konzern auch dazu drängen könnte, die Marke Jeep abzuspalten: "Nein. Wir verkaufen unsere Kinder nicht. Jeep ist ein Phänomen, die Marke ist ein Gattungsbegriff für Offroader, eine Marke, deren Logo sich Leute auf dem Arm tätowieren lassen. Davon trennen wir uns nicht."
Das vollständige Interview lesen Sie auf www.auto-motor-und-sport.de
Rivoal: Dacia-Boom in Deutschland geht 2009 weiter
Billigauto schafft zweistellige Rendite - 30.000 Verkäufe nächstes Jahr - Renault verfehlt angestrebtes Wachstumsziel 2009
Stuttgart. Renault will vom rumänischen Billigauto Dacia im nächsten Jahr noch mehr Fahrzeuge in Deutschland absetzen. Jacques Rivoal, Vorstandsvorsitzender der Renault Deutschland AG, sagte auto motor und sport: "Wir werden 2008 über 25.000 Einheiten absetzen, davon 8.000 vom neuen Sandero. Im kommenden Jahr wollen wir mehr als 30.000 Dacia verkaufen. Das wird etwa einem Prozent Marktanteil entsprechen." Dabei hält Rivoal ein noch stärkeres Wachstum wie in Frankreich für möglich. "In Frankreich hat Dacia schon 1,5 Prozent."
Zufrieden ist Rivoal mit der hohen Dacia-Rendite in Deutschland. "Low Cost heißt nicht Low Profit, denn das Investment in Dacia ist für uns und die Händler sehr gering. Die Autos werden bei einigen Betrieben einfach mitverkauft. Wir machen mit Dacia in Deutschland eine zweistellige Rendite." Dabei wachse Dacia in Deutschland, ohne Renault zu schaden. "Dacia ist Eroberung pur. Die typischen Dacia-Kunden haben bislang nur Gebrauchtwagen gekauft. Wir haben uns damit einen ganz neuen Markt erschlossen, und der ist riesengroß."
Dagegen deutet Rivoal an, dass Renault sein ehrgeiziges Ziel des Sanierungsprogramms "Vertrag 2009" von Konzernchef Carlos Ghosn, das unter anderem eine Absatzsteigerung bis 2009 um 800.000 Fahrzeuge weltweit vorsieht, nicht voll erreicht. "Wir haben uns im Plan 2009 ein sehr ehrgeiziges Wachstumsziel von 800.000 Einheiten gesetzt. Das werden wir nicht ganz erreichen", kündigt Rivoal an. Dafür seien vorrangig die schwächelnden Absatzmärkte in Westeuropa verantwortlich. "Das wirtschaftliche Umfeld hat sich vor allem in den europäischen Märkten, die für Renault sehr wichtig sind, verschlechtert. Nehmen Sie nur den spanischen Markt: Dort liegen die Neuzulassungen rund 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau."
BMW halbiert Zuliefer-Zahl für Siebener-Produktion
Fertigungskosten um 30 Prozent niedriger als beim Vorgänger, Anlauf-Investitionen um 50 Prozent - Fertigungszeit von 56 Stunden pro Wagen
München. Der Autohersteller BMW hat die Produktionskosten seines Flaggschiffs Siebener im Werk Dingolfing deutlich senken können. Nach auto motor und sport-Informationen liegen die reinen Fertigungskosten des neuen Modells, das seit 1. September in Bayern von Band läuft, trotz einer erhöhten Komplexität um 30 Prozent unter dem auslaufenden Modell. Für die Herstellungszeit des neuen Siebener liegt nach Informationen von auto motor und sport aus dem vertraulichen "Harbour Report 2008" wie beim Vorgänger bei 56,39 Stunden, obwohl die Produktionszeit aufgrund gestiegener Montageinhalte bis zu 80 Minuten länger dauern müsste. Künftig erwartet BMW laut internen Planungen weitere Produktionszeitkürzungen von sieben bis acht Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Audi braucht in Neckarsulm laut Zahlen des Harbour Reports 86,65 Stunden für jeden A8.
Wolfgang Stadler, Leiter des BMW-Werkes Dingolfing, will im Gespräch mit auto motor und sport keine Zahlen nennen, bestätigt aber die Verbesserung: "Es stecken deutlich mehr technische Inhalte im neuen BMW 7er. Trotzdem ist es uns gelungen die Fertigungsdurchlaufzeit auf dem Niveau des Vorgänger Modells zu halten. Für die Zukunft erwarten wir vor allem im Bereich der Materialströme weiteres Einsparungspotenzial." Zudem hat BMW die Zahl der Zulieferer halbiert. Stadler: "Rund 250 Lieferanten steuern Komponenten für den neuen 7er bei; beim Vorgänger waren es noch fast doppelt so viele. Wir wollen uns hier schlicht auf wenige, zuverlässige Systempartner verlassen. Zudem konnten wir auf diesem Wege den Materialfluss ins Werk entschlacken."
Bis zum Jahresende will BMW in Dingolfing noch 10.000 Siebener vom Band rollen lassen. "Dieses Jahr rechne ich mit einer Produktion von mehr als 10.000 Fahrzeugen. Im vollen Produktionsjahr wollen wir die Stückzahlen des Vorgängers toppen", so Stadler. Vom Vorgänger stellte BMW bis zu 60.000 Fahrzeuge jährlich her. Die Produktion des Siebeners war am 1. September mit täglich 64 Fahrzeugen angelaufen. Derzeit produziert Dingolfing täglich 164 Siebener und will schon bald die Maximalproduktion erreichen. Stadler: "Die Stückzahl erhöhen wir schrittweise, zum Jahresende sollen es 300 werden. Damit sollten wir innerhalb von nur drei Monaten die Kammlinie erreichen." Bei höherer Nachfrage könne Dingolfing kommendes Jahr täglich 330 Siebener produzieren.
In den Anlauf des neuen Flaggschiffs hat BMW laut Stadler "vierzig bis fünfzig Prozent weniger investiert als beim Anlauf des Vorgängers. Wir haben unter anderem in die Qualität investiert, davon sechs Millionen Euro in die Hardware für Prüfanlagen oder drei Millionen in einen neuen Akustikprüfraum." Das BMW-Werk Dingolfing ist die einzige Produktionsstätte des Konzerns, die das Flaggschiff Siebener fertigt.
Quelle: Pressemeldung Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG
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