Exklusiv aus auto motor und sport 1/2009: Bosch plant Arbeitsplatzabbau im In- und Ausland

17.12.2008 | Stuttgart
Franz: Opel soll Auftragsfertiger für Saab werden + Tiefensee: CO2-Kfz-Steuer kommt erst 2010 + Mercedes hat neues Effizienz-Programm gestartet

Bosch plant Arbeitsplatzabbau im In- und Ausland

Stellenstreichung in vierstelliger Größenordnung - Mehr Kurzarbeit -Umsatz 2008 sinkt um 5 % -

Deutlich zweistellige Kosteneinsparung durch geschobene Investitionen bei Maschinen und Einrichtungen

Stuttgart. Der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch hat im Oktober und November Umsatzeinbrüche von 20 Prozent hinnehmen müssen. Um die Kosten zu senken, wird Bosch die Arbeitszeiten in der Autosparte senken und plant Entlassungen im In- und Ausland, die nach Informationen von auto motor und sport bei einer Größenordnung von bis zu 2000 Mitarbeitern liegen werden. "Bis September sah alles ganz ordentlich aus. Unser Geschäft mit Kraftfahrzeugtechnik lag Monat für Monat auf Vorjahresniveau oder sogar darüber. Der Oktober und der November sind aber beim Umsatz um ungefähr 20 Prozent ins Minus gerutscht. Und der Dezember wird noch mal schlechter werden", sagte Automotive-Chef Bernd Bohr dem Magazin auto motor und sport. "Wir erwarten zudem, dass das erste Quartal 2009 so läuft wie das letzte Quartal 2008. Wann die Konjunkturerholung kommt, ist offen. Wir haben jedoch die Hoffnung, dass sich die Marktschwäche nicht länger als zwölf Monate hinzieht."

Im Gesamtjahr 2008 rechnet Bohr mit einem Umsatzrückgang der Bosch-Autosparte im einstelligen Prozentbereich: "2007 war der Umsatz unserer Automotive-Sparte weltweit um fünf Prozent auf 28,4 Milliarden Euro gewachsen. Dieses Jahr wird er sicher sinken - geschätzt um rund fünf Prozent. Wobei dieser Prozess einer hohen Dynamik unterliegt." In einem früheren Interview mit auto motor und sport im Juli dieses Jahres hatte Bohr noch angekündigt, dass die Autosparte für 2008 ein erneutes Plus von fünf Prozent beim Umsatz erwarte. Die Einbrüche werden auch Einfluss auf die ursprünglich geplante Umsatzrendite von sieben bis acht Prozent haben. "Ein Umsatzrückgang hat immer auch negativen Einfluss auf das Ergebnis. Auch Bosch-Unternehmenschef Franz Fehrenbach hat intern die Belegschaft bereits darauf hingewiesen, dass wir unsere Ziele 2008 für die gesamte Bosch-Gruppe verfehlen werden: Unser Umsatz wird voraussichtlich leicht unter Vorjahr liegen, und wir müssen beim Ergebnis spürbare Abstriche machen. Deswegen haben wir - gerade in der Automotive Sparte - unsere Spar-Anstrengungen jetzt noch mal erhöht: Wir fahren Investitionen in Maschinen und Einrichtungen herunter und verschieben Baumaßnahmen. Damit sparen wir einen deutlich zweistelligen Prozentsatz unserer Ausgaben ein."

Um die Kosten zu senken, werde Bosch Automotive die Arbeitszeit reduzieren und auch um einen Personalabbau nicht herumkommen. Bohr: "Unsere Arbeitszeitkonten sind inzwischen zum größten Teil ausgeschöpft und am unteren Anschlag. Wir haben relativ früh reagiert, schon die Sommerpause 2008 verlängert und damit verhindert, Bestände aufzubauen. In einigen Werken greift bereits die zweite Flexibilisierungsmöglichkeit aus unserem "Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung": Wir fahren die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf bis zu 30 Stunden herunter - bei linearer Anpassung des Entgelts. Für unsere Mitarbeiter sind solche Einkommenseinbußen bis zu 15 Prozent natürlich sehr schmerzlich, deswegen gehen wir hier mit großem Augenmaß heran. In einigen Werken haben wir aber auch schon Kurzarbeit. Und das wird sich in nächsten Monaten sicher verstärkt fortsetzen. Wir sehen es in diesem Zusammenhang als sehr positiv, dass die Bundesregierung die Kurzarbeiterzeit von sechs auf 18 Monate verlängert hat. Wir hoffen und erwarten, dass diese flexiblen Maßnahmen ausreichen, um den Sturm zu überstehen."

Dennoch werde es zum Arbeitsplatzabbau kommen. Bohr: "In einzelnen Werken haben wir allerdings auch strukturellen Anpassungsbedarf, den wir schon vor dem Einbruch gesehen haben. Dort werden wir Personalanpassungen wie geplant umsetzen." Über die genaue Anzahl wollte sich Bohr noch nicht äußern. Insgesamt hat die Bosch-Automotive-Sparte in Deutschland derzeit rund 66.000 Beschäftigte. Nicht nur Festangestellte sind von den Stellenstreichungen betroffen. "Zudem verlängern wir befristete Verträge in aller Regel nicht, so dass der Anteil der temporär Beschäftigten sich stark reduziert."

Auch im Ausland muss Bosch Arbeitsplätze streichen: "An Standorten im Ausland, wo wir nicht über solche flexiblen Arbeitszeitmodelle verfügen, werden wir vereinzelt zu betriebsbedingten Entlassungen greifen müssen." Im Moment rechne Bohr im Ausland "mit einer drei- bis vierstelliger Anzahl an Personen, die wir im letzten Quartal 2008 und ersten Quartal 2009 freisetzen müssen. Es kann mehr werden, je nachdem wie tief der konjunkturelle Einbruch noch wird."

Franz: Opel soll Auftragsfertiger für Saab werden

Aufsichtsratvize fordert GM zum Verkauf der schwedischen Marke auf

Rüsselsheim. Im Rahmen der sich verschärfenden GM-Krise fordert Opel-Betriebsratschef Klaus Franz den Konzern zum Verkauf der schwedischen Schwestermarke Saab auf: "Ich bin sehr froh, dass die schwedische Regierung eine Unterstützung für Volvo und Saab bewilligt hat. Auf dieser Basis können Ford und GM neue Investoren für ihre schwedischen Marken suchen", sagte Franz dem Magazin auto motor und sport. "Unter GM sehe ich keine Perspektive für Saab. Denn es sind Investitionen in mindestens drei Produkte nötig, damit die Marke überleben kann: in die Modelle 9-5, 9-3 und ein anderes Produkt. GM hatte für Saab immer nur zuviel zum Sterben und zu wenig zum Leben", klagt Franz.

Auch nach einem Verkauf der Marke Saab sieht Franz die Möglichkeit, dass Saab und Opel weiter kooperieren und Opel als Auftragsfertiger für Saab arbeitet. "Wir in Rüsselsheim erfüllen alle Voraussetzungen, dass der Saab 9-5 nach der Sommerpause 2009 bei uns anlaufen kann. Wir können auch Auftragsfertigung für einen Dritten liefern, das muss nicht GM als Eigentümer der Marke Saab sein."

Franz sieht trotz der letzten Entwicklungen in den USA der Zukunft von Opel positiv gegenüber: "Wir sind bestätigt worden, dass wir sehr klug gehandelt haben, die Initiative zu ergreifen für eine Bürgschaft, um uns unabhängiger von GM zu machen. Opel feiert nächstes Jahr sein 110 jähriges Jubiläum und wir sind guter Dinge, dass sich mit der Staatsbürgschaft auch alles zum Besten wendet."

Tiefensee: CO2-Kfz-Steuer kommt erst 2010

Minister hofft auf neue Jobs durch Konjunkturprogramm - Kfz-Steuerbefreiung hat "eher psychologische Wirkung"

Berlin. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist Spekulationen entgegen getreten, dass die CO2-basierte Kfz-Steuer noch im Jahr 2009 eingeführt werden könnte. Derzeit lägen die Vorstellungen von Bund und Ländern noch zu weit auseinander. "Die Forderung nach einer schnellen Einführung ist berechtigt, doch die Sache ist nicht so einfach", sagte Tiefensee gegenüber auto motor und sport. "Wir wollen die Altfahrzeuge nicht übermäßig belasten, die Neuwagen dürfen aber auch nicht höher besteuert werden als alte Autos. Gleichzeitig soll das Ganze nach den Vorstellungen der Länder noch aufkommensneutral sein und eine ökologische Lenkungswirkung haben. Das kommt schon der Quadratur des Kreises nah", so Tiefensee. "Wie das Modell genau aussieht, ist zwischen den Ministerien noch nicht final abgestimmt. Ich gehe aber davon aus, dass die CO2-basierte Kfz-Steuer zum 1. Januar 2010 endgültig eingeführt wird."

Optimistisch ist der Bundesverkehrsminister, dass durch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung und die geplanten Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur zehntausende Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden können. "Wir investieren ja nicht nur in die Verkehrswege, sondern auch in eine Vielzahl von Projekten wie etwa in den Bau neuer Bahnhöfe, in Lärmschutz oder die Gebäudesanierung. Die Investitionen im Rahmen des Konjunkturpakets werden Zehntausende Stellen sichern und auch einige neue Arbeitsplätze schaffen. Wichtig ist mir auch, dass davon durch Unteraufträge auch die örtliche Bauwirtschaft gestärkt wird."

Laut Tiefensee werden 2009 und 2010 rund 22 Milliarden Euro in die Infrastruktur fließen. "Durch die Maut-Erhöhung und das Wachstums- und Beschäftigungspaket stehen statt 9,2 Milliarden Euro nun 2009 rund 11,2 Milliarden zur Verfügung. 2010 werden es noch einmal rund 11 Milliarden sein", sagte Tiefensee auto motor und sport. "Etwa 50 Prozent davon fließen in den Straßenbau, 40 Prozent gehen an die Bahn und rund 10 Prozent investieren wir in Binnenwasserstraßen."

Eingeräumt hat Tiefensee, dass die Befreiung schadstoffarmer Pkw von der Kfz-Steuer nur geringe Wirkung auf die einbrechende Autokonjunktur haben wird. "Ich bin mir bewusst, dass die Steuerbefreiung eine eher psychologische Wirkung hat. Doch viele Käufer wollen sich umweltbewusst verhalten und vielleicht ist das der letzte Kick, der ihnen zur Kaufentscheidung noch gefehlt hat. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass die Kfz-Steuerbefreiung den Autoabsatz ankurbeln wird."

Verstärkt angehen will Tiefensee in den nächsten zwei Jahren den Bau von Lkw-Parkflächen auf Autobahnraststätten. "Wir brauchen rund 14.000 zusätzliche Stellplätze für Lkw. Und weil das Problem dramatisch ist, werden wir schon bis Ende 2010 die Hälfte, also 7.000 zusätzliche Lkw-Stellplätze fertig haben."

Mercedes hat neues Effizienz-Programm gestartet

Vertriebschef Maier: "Es gibt keine heiligen Kühe mehr" - Kosten 2009 um bis zu 30 Prozent senken - Weitere

Kurzarbeit denkbar - Langfrist-ziel: Umsatzrendite von 10 % und jährliches Umsatzwachstum von 5 %

Suttgart. Mercedes-Vertriebs- und Marketing-Vorstand Klaus Maier hat im Interview mit auto motor und sport angekündigt, dass Daimler zur Bewältigung der Autokrise Anfang Dezember ein Restrukturierungsprogramm mit dem Titel "Effizienz" gestartet hat. "Das Programm ,Effizienz" ist - wie der Name schon sagt - kein reines Sparprogramm. Es basiert auf unserer aktuellen Strategie "Go for 10", die wir Anfang Januar 2008 für Mercedes-Benz Cars festgelegt haben", sagte Maier auto motor und sport. Nach Informationen des Magazins soll Daimler sich das Ziel gesetzt haben, die Kosten der Mercedes Car-Group 2009 um zehn bis 15 Prozent zu senken. Im Vertrieb sollen die Kosten sogar um bis zu 30 Prozent reduziert werden.

Maier bestätigte, dass das Programm "die Effizienz über alle Bereiche von Mercedes-Benz Cars forcieren" müsse, von der Entwicklung bis hin zum Vertrieb. Dabei spielt der Vertrieb offenbar bei der Kostensenkung eine zentrale Rolle. "Wir haben hier bewusst hohe Ziele ausgegeben - im Sinne einer Denkhürde. Denn wir wollen über den Vertrieb der Zukunft nachdenken. Wir wollen nicht heutige Strukturen einfach verkleinern, sondern uns komplett neu aufstellen. Wir wollen den Vertrieb ganz neu denken. Wir fragen uns: Wie sieht der Automobilverkauf 2015 aus?", so Maier. "Das zwingt uns, alles in Frage zu stellen - dabei darf es auch keine heiligen Kühe geben."

Ziel der Langfriststrategie "Go for 10" sei ein dauerhaft profitables Wachstum mit einer Umsatzrendite (RoS) von zehn Prozent und einem jährlichen Umsatzwachstum von fünf Prozent zu erreichen. Maier: "Diese Größen haben wir für uns als High-Performance-Organisation definiert und es gibt keine Pläne, an diesen Zielen zu rütteln. Allerdings sind sie auch nicht jedes Jahr erreichbar, sondern im Schnitt im Zyklus. Im Abschwung sicher nicht. Mit dem nächsten Aufschwung müssen wir wieder in diesen Zielkorridor einfliegen." Wann der nächste Aufschwung kommen werde, wollte der Vertriebschef nicht genau prognostizieren: "Diese Glaskugel hätte ich gerne. Grob gesagt glauben viele Experten, dass die nächsten 12 bis 18 Monate noch schwer werden."

Mit dem CORE-Programm, das der Konzern im Herbst 2007 abgeschlossen hatte, konnte Daimler das Konzernergebnis um 7,1 Milliarden Euro verbessern - unter anderem indem 10.000 Jobs gestrichen wurden. Maier stellt im Gespräch die Unterschiede zu "Effizienz" heraus: "Wir fahren mit ,Effizienz" einen anderen Ansatz als bei CORE, wo wir schnell und zielgerichtet Kosten reduziert haben. Heute wollen wir alle etablierten Prozesse hinterfragen und - gerade auch in meinem Verantwortungsbereich - ein komplett neues, flexibles und zukunftsorientiertes System aufsetzen, statt Cost-Cutting nach der Rasenmähermethode zu betreiben." Zwar schließt Maier vorerst einen Jobabbau aus ("Das ist nicht das Ziel"), kündigt allerdings an, dass Überlappungen abgebaut werden sollen, zum Beispiel zwischen der deutschen Vertriebsgesellschaft DCVD in Berlin und der Konzernzentrale in Stuttgart: "Lassen Sie mich das so beantworten: Wir treiben zum Beispiel an zu vielen Stellen im Unternehmen Marktforschung, Event-Management, Fuhrpark-Management. Das sind Überlappungen, die wir strukturell ändern müssen. Wir werden viele Berichtslinien verändern und damit unsere Organisation verschlanken und schneller und flexibler machen. Und ja, wir sehen einige Doppelarbeiten zwischen Landesgesellschaften und Zentrale. Die müssen wir in Zukunft ausschließen. Unsere Vertriebsgesellschaften müssen sich in Zukunft viel mehr auf den Kunden und die Händlersteuerung fokussieren. Administrative Aufgaben - wie etwa die Auftragsabwicklung und Ordering-Prozesse - müssen wir hier sicher vereinfachen. Redundanzen müssen wir abschaffen und Komplexitäten reduzieren." Aus Konzernkreisen verlautet, dass Mercedes auch das Outsourcing verschiedener Bereiche prüft.

Trotz allen Kostendrucks werde Mercedes Benz Cars keine Modelle im Portfolio eliminieren. Maier: "An neuen Produkte und Umwelttechnologien werden wir aber keinesfalls sparen. Denn das zahlt unmittelbar auf das Geschäft von morgen ein."

Weitere Kurzarbeit in der Produktion schließt Maier nicht aus: "Wir haben bereits frühzeitig Maßnahmen beschlossen und setzen diese nun verstärkt um. Und die weitere Entwicklung hängt schlicht vom Markt ab. Wir müssen Produktion und Absatz einfach in Gleichklang bringen und halten."

Der Absatz 2008 soll laut Maier auf Vorjahresniveau liegen: "Per November hatten wir für die Mercedes Benz Cars einen weltweiten Absatz von 1.158.200 Einheiten verbuchen können, ein Minus von einem Prozent. Wir rechnen auf das Gesamtjahr gesehen noch mit einem Absatz in der Größenordnung des Vorjahres. Es wird aber ein knappes Ergebnis und hängt ab von den Entwicklungen in den großen Märkten." Positiv entwickelt sich vor allem die Marke Smart: "Bei Smart ist alles im grünen Bereich. Auch beim Absatz. Wir fahren unser Werk Hambach dieses Jahr bei voller Kapazitätsauslastung." Deutschland werde in der weltweiten Betrachtung "auch mittelfristig unser größter und stabilster Markt bleiben. Zumal sich der Markt weniger volatil als in den USA bewegt."

Quelle: Pressemeldung Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG

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