Bankenaktiva in CEE wuchsen 2008 um 25 Prozent
Die CEE-Bankenstudie bietet einen detaillierten Überblick über 15 wichtige Bankenmärkte der Region sowie über die führenden dort tätigen Bankkonzerne. Zur besseren Vergleichbarkeit wurde die Region in die Unterregionen Zentraleuropa (CE), Südosteuropa (SEE) und die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) unterteilt.
Bilanzsummenwachstum trotz globaler Finanzkrise fortgesetzt
Für das Jahr 2008 wurde in CEE ein Wachstum der Bilanzaktiva von knapp 25 Prozent auf Euro-Basis verzeichnet. Im Vergleich dazu wuchsen die Bilanzsummen im Jahr 2007 noch um 31 Prozent. Zum Jahresende 2008 betrugen die gesamten Bankenaktiva € 1.772 Milliarden, was einem Anstieg von € 353 Milliarden gegenüber dem Jahresultimo 2007 entspricht. Auf regionaler Ebene waren die gesamten Bankenaktiva in der GUS zum Ende 2008 um € 163 Milliarden oder um 25 Prozent höher als die in CE. Allerdings werden sich 2009 die Bankaktiva auf Euro-Basis in der GUS-Region aufgrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise voraussichtlich stärker verringern als diese in den CE-Staaten.
Generell wird der Bankensektor in CEE 2009 voraussichtlich einen Rückgang der Bankaktiva erfahren, nachdem deren Wachstumsdynamik bereits ab dem vierten Quartal 2008 stark abgenommen hat. "Obwohl wir für 2009 ein Schrumpfen der Gesamtaktiva erwarten, zeigt unser aktualisiertes Vorhersagemodell, dass die Aktiva im Jahr 2010 durchschnittlich wieder um 10 Prozent steigen werden", erklärte Walter Demel, Senior Analyst der RZB und Co-Autor der Bankenstudie.
Trotz des regionsübergreifenden wirtschaftlichen Abschwungs zum Jahresende 2008 hat sich in der Mehrheit der CEE-Länder im vergangenen Jahr die Finanzintermediation (gemessen an den Gesamtbankenaktiva als Prozentsatz des BIP) erhöht. Das Finanzintermediationslevel lag 2008 in den CE-Ländern bei durchschnittlich 100 Prozent, verglichen mit 80 Prozent in den SEE-Staaten und 70 Prozent in den GUS-Ländern. Im Vergleich dazu betrug das durchschnittliche Finanzintermediationslevel der Eurozone im Vorjahr mehr als 260 Prozent. Slowenien blieb das CEE-Land mit dem höchsten Anteil an Finanzintermediation, während sich das Niveau der Finanzintermediation in einigen SEE-Staaten inklusive Bulgarien, Kroatien und Serbien sogar reduzierte.
Lehman Brothers Pleite, G-20 Gipfel in London als Wendepunkte
Obwohl der Zusammenbruch von Lehman Brothers eine globale Wirkung nach sich zog, hatte er besonders große Auswirkung auf Zentral- und Osteuropa. Das wirkte sich vor allem in sinkenden Exporten, weit geringeren direkten Auslandsinvestitionen (FDIs) und in einer stark gestiegenen Aversion des Marktes sowohl gegenüber tatsächlichen als auch vermeintlichen Risiken aus. Vor diesem Hintergrund sah sich der Bankensektor der Region vor allem ab dem letzten Quartal 2008 mit knapper werdender Liquidität und einem Anstieg von überfälligen Krediten konfrontiert.
Indessen halfen die Maßnahmen, die von den führenden politischen und wirtschaftlichen Akteuren beim internationalen G-20 Gipfel in London im April 2009 beschlossen wurden, die Zuversicht des Marktes zu stärken, dass jedes Land in der CEE-Region seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen wird. Zusätzliche Schritte, die vonseiten supranationaler Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), aber auch von nationalen Behörden gesetzt werden, haben auch dazu beigetragen die generelle Glaubwürdigkeit des regionalen Bankensektors weiter zu verbessern. Darüber hinaus unterstrichen die wichtigsten ausländischen Bankenkonzerne, die in CEE tätig sind, ihr Commitment und versicherten, ihre Tätigkeit in der Region - auch in Ländern, die generell als "riskant" gelten - aufrecht zu erhalten.
Überfällige Kredite sind zentrales Thema
Die Entwicklung der überfälligen Kredite war eines der am meisten diskutierten Themen des Bankensektors, seit die globale Finanz- und Wirtschaftskrise CEE erreichte. Das Ausmaß der Währungsabwertungen in Verbindung mit unbesicherten Fremdwährungskrediten, das Ausmaß der wirtschaftlichen Rezession und der daraus resultierende Anstieg an Insolvenzen und Arbeitslosigkeit, aber auch das Ausmaß des Rückgangs von Immobilienpreisen sind Hauptfaktoren für die Entwicklung der überfälligen Kredite. Dabei kommt es in den einzelnen Ländern zu stark unterschiedlichen Entwicklungen. Die Autoren meinen, dass sich die CEE-Währungen nach dem G-20 Gipfel auf nachhaltige Niveaus stabilisiert und einige der früheren Verluste wieder aufgeholt haben. Der eine oder andere wirtschaftliche Indikator könnte aber auch im Jahr 2009 und bis spät ins Jahr 2010 hinein auf die Entwicklung der Kurse Auswirkungen haben.
Einlagen im Mittelpunkt
Die Anhebung der Einlagenvolumina gewann vor allem deswegen an Bedeutung, da Banken in CEE plötzlich mit stark reduzierten (oder teilweise nicht existenten) Refinanzierungsmöglichkeiten über andere Finanzinstitute konfrontiert waren. Seitdem ist ein starker Wettbewerb um Kundeneinlagen ausgebrochen.
Die Verwendung alternativer Refinanzierungsquellen wie Unternehmensanleihen (sowohl mit und ohne Staatsgarantie) und Pfandbriefe hat in letzter Zeit wieder zugenommen.
Keine Änderungen bei der Zusammensetzung der Top-5-Banken der Region
Das Jahr 2008 brachte keine Änderungen im Ranking der internationalen Top-5 Banken nach Bilanzsummen mit sich. Allerdings konnte die Raiffeisen International ihren zweiten Platz mit einem Anteil von 4,7 Prozent am Gesamtbankenmarkt in CEE ausbauen und rangiert nun vor der Erste Group, die 2008 einen Marktanteil von 4,4 Prozent aufwies. Beide österreichischen Banken verringerten den Abstand zur führenden italienischen UniCredit, deren Marktanteil von 6,4 Prozent im Jahr 2007 auf 6 Prozent sank.
Die CEE-Bankenstudie konstatiert für die nahe Zukunft die Möglichkeit einer neuerlichen Übernahmewelle. Dennoch bleibt es unklar, auf welche Preisniveaus sich potenzielle Verkäufer und Käufer einigen werden. "Die momentanen Marktpreise reflektieren einen Rückgang der Aktivaqualität sowie der Ertragsfähigkeit und des mittelfristigen makroökonomischen Ausblicks. So lange die Vorhersagbarkeit dieser Faktoren extrem kurz bleibt, wird es weniger potenzielle Käufer von Banken geben", erklärte Stefan Maxian, Co-Autor und Leiter des Company Research bei der RCB.
Geschäftsstellenausbau geht weiter, aber bei weitem langsamer - Raiffeisen hat weiterhin das stärkste Vertriebsnetz
Die Filialnetzwerke der Banken in CEE verzeichneten auch im Jahr 2008 einen Anstieg, aber mit geringerer Geschwindigkeit als in den letzten Jahren. So verfügten die vier größten westlichen Banken zum Jahresultimo 2008 über 11.215 Filialen. Im Jahr 2007 waren es 10.577. Damit stieg zwar die Gesamtanzahl der Geschäftsstellen der Top-4-Banken, aber ihr jährliches Wachstum sank von 15 Prozent im Jahr 2007 auf 6 Prozent im Jahr 2008. Grund dafür ist ein gesteigerter Fokus auf Kostenkontrolle und das Fehlen substanzieller M&A-Aktivitäten in dem veränderten makroökonomischen Umfeld.
Die Raiffeisen International hatte 2008 mit insgesamt 3.231 Banken- und Leasing-Geschäftsstellen in 17 CEE-Märkten das größte Vertriebsnetz, gefolgt von Italiens UniCredit mit 3.033 Geschäftsstellen in 16 Märkten und der französischen Société Générale mit 2.852 Geschäftsstellen in 14 Ländern.
Quelle: Pressemeldung Raiffeisen Zentralbank Österreich AG
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